Weilerswist

 

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Weilerswist 2022: Was bisher geschah

Langjähriges Mitglied der PG in hohem Alter gestorben

Gisela Wachholz entschlafen - ein Nachruf

Unser langjähriges Vereinsmitglied, Gisela Wachholz-Kulke, ist am 28. Mai 2022 mit 95 Jahren gestorben.

 

Ältere Schulkollegen und -kolleginnen werden sie noch in Erinnerung haben, als Lehrerin für Englisch und Geographie. 1992 ging sie mit 65 Jahren als erste im Kollegium in den Ruhestand. Sie bekam von Lehrern und Schülern zu ihrem Abschied von der Schule eine große Feier geschenkt, was sicherlich auch ihrer Beliebtheit entsprach. Sie war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre am Ville-Gymnasium. Ihr Lebensweg war ein vollkommen anderer, als der unsere, die wir nach dem Krieg geboren waren.

 

1927 in Goldberg (Schlesien) geboren, hatte sie den Zweiten Weltkrieg und die Flucht erlebt.

Viele Erinnerungen an diese Zeit und an ihre Schulzeit tauchen in ihren anschaulichen und detailreichen Lebenserinnerungen auf, die sie im November 2020, also mit 93 Jahren, in Heft 50 des "Geschichts- und Heimatvereins der Gemeinde Weilerswist“, in der sie lebte, veröffentlichte. Es ist erstaunlich, wie genau sie sich an Namen, Daten und Einzelheiten erinnert.

 

1932 zu Ostern wurde sie eingeschult, ein Jahr vor Hitlers Machtergreifung. Die jüngere Generation kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie Schule damals aussah: Die Lehrer unterrichteten vom Katheder aus, das vor der Tafel stand, die Klassen hatten oft über 50 Schüler, die auf Holzbänken an Tischen mit versenkbaren Tintenfässern saßen und mit Federhaltern schrieben. Der Unterricht war streng, manchmal wurde mit dem Rohrstock nachgeholfen. Mädchen und Jungen lernten in getrennten Klassen, die Trennung betraf auch den Schulhof.

 

Ihr Vater unterrichtete am Gymnasium Biologie und Geographie. Dort war sie später seine Schülerin in Biologie, da es keinen anderen Lehrer in diesem Fach gab. 1944 im Juni legte ihre Klasse, die Unterprima, (heute Klasse 12), die das ganze Jahr kriegsbedingt mit der Oberprima zusammen unterrichtet worden war, erfolgreich das Abitur ab. Dieses wurde aber später wegen angeblich „mangelnder sittlicher Reife“ nicht anerkannt, so dass die Abiturprüfung nach dem Krieg wiederholt werden musste.

 

Gisela war jetzt 17 Jahre alt und begann nach den Sommerferien 1944 unfreiwillig ihre Laufbahn als Lehrerin am Gymnasium, denn durch die Versetzung ihres Vaters in eine andere Stadt fand sich kein Biologie-Lehrer. Neben ihrer Hilfe im Haushalt als Älteste von vier Geschwistern, musste sie nun also noch Unterricht vorbereiten und sich z. B. einarbeiten, in die " komplizierte Vermehrung und Fortpflanzung von Farnen und Moosen“, wie sie schreibt. Man kann sich ihre Erleichterung vorstellen, als dieser „Spuk“ nach gut zwei Monaten ein Ende fand.

 

Im November 1944, immer noch 17, wurde sie zum Reichsarbeitsdienst (RAD) eingezogen. Sie wird von einem RAD-Lager ins andere geschickt, arbeitet in abgelegenen Bergbauernhöfen, kocht für 100 Personen Grießbrei und wird schließlich in eine Rüstungsfabrik gesteckt. 1945, am 20. 4. („Führers Geburtstag“) wird sie entlassen und kann durch die Tschechoslowakei auf einem Armee-Lastwagen ins Sudetenland fliehen, wo ihre Familie jetzt lebt. Bald müssen sie das Sudetenland verlassen und weiter ziehen, nach Westen. Die ganze Familie flieht zu Fuß nach Tuttlingen, wo ein angeheirateter Onkel als Amtsgerichtsdirektor tätig ist und sie in seiner geräumigen Dienstwohnung aufnimmt. Nun begann ein neues Leben.

Neuanfang nach dem Krieg

Ein großes Ziel von Gisela, die schon in Goldberg Englisch als Schulfach geliebt hat ist es, sich in dieser Sprache zu perfektionieren.. Sie hat den Ehrgeiz, Englisch wie ein "native speaker“ zu sprechen und reist nach England. Zwischen 1949 und 1952 arbeitet sie als Au-Pair bei verschiedenen Familien und schließlich in einer Kinderklinik in London als Hilfsschwester. Und als sie nach Deutschland zurück fährt, spricht sie tatsächlich wie eine Engländerin.

 

In Köln, wohin sie Verbindungen hat, arbeitet sie als Dolmetscherin für ein Vorstandsmitglied der Kaufhof-Zentrale. Sie ist 26 Jahre alt. Zur Arbeit läuft sie zu Fuß durch die Trümmerfelder der Stadt, in denen der Sommerflieder blüht. 1954 heiratet sie als damals „spätes Mädchen“ einen jungen Mann, Friedbert Wachholz, den sie in der Kantine des Kaufhofs kennenlernt. Sie finden eine Wohnung in Köln-Dellbrück und 1957, 1958 und 1959 werden drei Kinder geboren: Adriane, Roland und Gero. 1964 bezieht die Familie ein Eigenheim in Weilerswist, in dem Gisela fast 60 Jahre lang wohnen wird, auch wenn die Ehe nach 20 Jahren geschieden wird.

 

Im Wintersemester 1972/73 beginnt sie mit 45 Jahren ein Studium der Anglistik und Geographie, das sie in Rekordzeit absolviert. Am 1. 2. 1977 tritt sie das Lehramt am Ville-Gymnasium Erftstadt an, als mit Abstand Älteste in einem damals jungen Kollegium, in dem sie bald Anschluß findet. Zu ihrem großen Bedauern ist es aber zu spät für eine Verbeamtung. Schüler und Schule sind ihr dankbar, als sie zusammen mit einer Kollegin den Schulaustausch zwischen Starke in Florida und Erftstadt begründet. Hierdurch entwickeln sich Freundschaften, die über lange Zeit bestehen.

Mit der Partnerschaftsgesellschaft Weilerswist beteiligt sie sich am Austausch mit Witnash in England, wo neue Freundschaften geknüpft werden.

1992 ist die Zeit am Ville-Gymnasium vorbei. Mit 65 Jahren wird sie pensioniert, als erste im Kollegium und erhält von Seiten der Schüler und Kollegen ein unvergeßliches Abschiedsfest.

 

Jugendliebe in China wiedergesehen

Im nun beginnenden Ruhestand setzt sie sich keineswegs zur Ruhe. Sie engagiert sich im Literaturkreis Weilerswist, u. a. mit einem sehr anschaulichen Vortrag über den schlesischen Dichter der Romantik, Joseph von Eichendorff, dessen Gedicht „Mondnacht“ sie besonders liebte. Sie veranlasst den Literaturkreis, einen eindrucksvollen Abend in der Burg Kühlseggen mit ihrem Sohn Gero zu gestalten. Sie gibt gelegentlich Nachhilfestunden und Erwachsenenunterricht in Englisch, pflegt Kontakte mit den Kollegen und Kolleginnen, vor allem bei wechselseitigen Geburtstagsfeiern. Man unternahm gemeinsame Fahrten zu Vorträgen in Bonn, zu Museen in Köln und Bonn und zu kulturellen Events bis in Giselas frühe neunziger Lebensjahre. Noch mit weit über achtzig fuhr sie den langen Weg zu Adriane nach Berlin und zu Gero ins Wendland mit ihrem Auto.

 

Sie liebte Blumen, Natur und über alles ihren großen Garten, wo sie den Kräutern, Büschen und Blumen freien Lauf zur Entfaltung ließ. Sie kannte jede Pflanze mit Namen. Wenn man über einen der Pfade ging, die die scheinbare Wildnis teilten, rief sie auf einmal: Vorsicht, da steht ein Leberblümchen! Und man musste sich bücken und genau gucken, um es zu sehen.

 

Ab 1993 organisierte und beleitete sie 11 Jahre lang Reisen nach China. An diesen Reisen nehmen Freunde und Kollegen immer wieder Teil. Sie hat eine ganz besondere Beziehung zu diesem Land, denn in ihrer Londoner Zeit lernte sie einen jungen Chinesen kennen und lieben, der dann jedoch in seine Heimat zurück flog. Er nahm 1989 wieder Kontakt mit ihr auf, sie flog kurz entschlossen nach Peking und stellte fest, dass er schon damals verheiratet war. Dennoch war sie ihm nicht böse, wurde von seiner Familie freundlich aufgenommen und reiste in den folgenden Jahren immer wieder nach China. Sie lernte so, lange vor der offiziellen Öffnung des Landes für den Tourismus, eine faszinierende Gesellschaft und Kultur kennen. Von diesen Kenntnissen und dieser Faszination durften später auch andere profitieren.

 

Sie war allseits beliebt, mit ihren Ecken und Kanten, mit ihrer Art, gerade heraus zu sprechen, mit der Wissbegier, die sie bis ins hohe Alter behielt. Sie verkörperte einen Typus, den es früher gab und dessen letzte Vertreterin sie war. Sie konnte nichts wegwerfen, vor allem keine Lebensmittel. Und mehrmals hat man sie nach einem Unfall mit Knochenbruch genesen und wieder aufstehen sehen, als sei nichts gewesen, als wolle sie sagen: da habe ich schon Schlimmeres erlebt. Sie schien unverwüstlich. Mit 90 Jahren schrieb sie sich in einen Tanzkurs für Senioren ein.

Sie besaß die große Gnade, bis kurz vor ihrem Lebensende nie ernsthaft krank zu sein, über alle geistigen Fähigkeiten zu verfügen und weiterhin mit einem großen Bekanntenkreis Kontakt zu halten. Als ihre Zeit gekommen war, erkannte sie mit großer Klarheit, dass es zu Ende ging und akzeptierte es.

 

Wir vermissen sie sehr.

Diesen eindrucksvollen Nachruf verfasste Margarete Siebert, wir danken für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Erweiterung der Gesamtschule Weilerswist

Wird die Aula ein moderner Veranstaltungssaal?

Auch wenn es auf dem Foto gar nicht deutlich sichtbar ist:

Die alte Aula der Gesamtschule ist in die Jahre gekommen. Sie entspricht nicht mehr den Ansprüchen eines modernen kulturellen Veranstaltungsortes; sie strahlt den Charme eines sterilen Zweckbaus aus, der nicht zum Verweilen einlädt. Die technische Ausstattung ist veraltet, der Zugang zum Zuschauerraum ist für Gehbehinderte kaum zugänglich.

 

Durch eine Modernisierung im Rahmen der Erweiterung der Schule sollte

  • die Raumausstattung freundlich und einladend erneuert werden;
  • eine ordentliche Saalbeleuchtung installiert werden, die unterschiedlichen Veranstaltungsformen angepasst werden kann;
  • eine gut ausgestattete Bühnentechnik mit Beleuchtung, Beschallung und Videotechnik eingerichtet werden;
  • der Zuschauerraum barrierefrei gestaltet werden;
  • eine Überarbeitung der Fensterfront mit Verdunkelungseinrichtung erfolgen.

Wenn dann noch die Nutzungsmöglichkeit einer Schulküche für gastronomische Versorgung der Besucher vorgesehen würde, hätte die Gemeinde endlich eine einladende und flexibel nutzbare Einrichtung für gesellschaftliche Veranstaltungen mittlerer Größe. Neben den vielen Vereinen in Weilerswist könnte der Saal dann auch für größere private Veranstaltungen - z.B. Hochzeiten, Konferenzen, Jubiläen - zur Verfügung stehen.

 

Die Partnerschaftsgesellschaft hat der Gemeinde und dem mit der Planung beauftragte Projektbüro in einem Schreiben diese Wünsche und Ideen unterbreitet, und wartet nun gespannt darauf, in welchem Umfang sie aufgegriffen werden.

Madeleine Conan gestorben

Traurige Nachricht aus Carqueiranne

 

Mit tiefer Anteilnahme erfuhr die Partnerschaftsgesellschaft, dass die Ehefrau von Arman Conan, dem französischen Begründer der Städtepartnerschaft zwischen Weilerswist und Carqueiranne am Mittwoch, dem 4. Mai verstorben ist.

 

Erst im Februar hatten wir hier über ihren einhundertsten Geburtstag und darüber berichtet, dass sie mit ihrem Ehemann den achtzigsten Hochzeitstag feiern konnte.

 

Um so schmerzlicher musste es für alle Angehörigen, Freundinnen und Freunde nun sein, für immer von ihr Abschied zu nehmen.

 

 

 

 

Auch Madeleine Conan hatte einen großen Anteil daran, dass 1978 von den damaligen Bürgermeistern Armand Conan und dem Weilerswister Peter Schlösser die Städtepartnerschaft zwischen dem Städtchen an der Cote d'Azur und der rheinländischen Gemeinde begründet wurde.

 

Die Partnerschaftsgesellschaft wünscht ihrem Ehemann Armand und allen Familienmitgliedern bei der Bewältigung des großen Verlustes Kraft, Trost und Zuversicht.

Carqueiranne feiert

Madeleine Conan wurde 100

 

Nach ihrem Ehemann Armand hat nun auch Madeleine Conan das stolze Alter von einhundert Jahren erreicht!

Am 16. Februar 1922 geboren konnte sie mit ihrem Ehemann zusammen nicht nur ein 201-jähriges Jubiläum feiern, sondern auch den 80. Hochzeitstag.

 

Auch sie hat einen großen Anteil daran, dass 1978 von den damaligen Bürgermeistern Armand Conan und dem Weilerswister Peter Schlösser die Städtepartnerschaft zwischen dem Städtchen an der Cote d'Azur und der rheinländischen Gemeinde begründet wurde.

 

Die Partnerschaftsgesellschaft gratuliert von ganzem Herzen und wünscht Madeleine und Armand weitere Jahre zusammen bei guter Gesundheit!

 

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